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Literatur – so scheint es – hat die Lizenz zur freien Erfindung und ist daher eher eine geschützte Werkstatt der Phantasie als eine Produktionsstätte von Skandalen. Es gibt jedoch in der Geschichte der Literatur immer wieder Autor:innen, Texte und Aufführungen, die von einer entrüsteten Öffentlichkeit für skandalös erklärt werden, und dies keineswegs nur in vergangenen Zeiten, sondern bis heute. Die Steine des Anstosses sind vielfältig und insofern aufschlussreich, als an ihnen die gesellschaftlichen Erwartungen sichtbar werden, was Kunst darf, kann und soll. Auch die Mechanismen des Literaturbetriebs, insbesondere die Rolle der journalistischen Medien, die ein eigenes Interesse an der Beschwörung eines Skandals haben, und die (Buch-)Marktgesetze, bei denen neben Verkaufsstrategien der Faktor Zufall massgeblich beteiligt ist, lassen sich an Aufsehen erregenden Fällen studieren. Dabei spielen sich Skandalgeschichten zentral textuell ab, so dass die rhetorisch-philologische Analyse der skandalisierenden bzw. debattierenden Texte ebenso lohnend ist wie die eingehende (Re-)Lektüre der Literatur, die in der Aufregung paradoxerweise oft untergeht.

Im Seminar wird anhand von Fallbeispielen nach den historischen und medialen Bedingungen und Funktionsweisen solcher Geschichten gefragt, die – nicht zuletzt von der Literaturgeschichtsschreibung selbst – mit dem Ruch und Reiz des Skandalösen ausgestattet sind.

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